Dorsten Aktuell/News


15.02.2016
 

Kauflaune treibt die Ruhrwirtschaft

In der Ruhrwirtschaft herrscht so gute Stimmung wie lange nicht. Rund 90 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend. Und die Industrie- und Handelskammern des Ruhrgebiets, die die Betriebe gefragt haben, können auch für die nächsten Monate Zuversicht verbreiten.

Denn: „Die Mehrheit der Unternehmen erwartet, dass die wirtschaftliche Entwicklung in etwa so weiter geht wie bisher“, heißt es im 96. Ruhrlagebericht, den die Ruhr-IHKs unlängst in Gelsenkirchen präsentiert haben.
„Das Wirtschaftsklima im Ruhrgebiet hat sich weiter verbessert“, unterstrich Dr. Benedikt Hüffer, Präsident der derzeit federführenden IHK Nord Westfalen.
Der Konjunkturklima-Indikator, der Lageeinschätzung und Erwartungen der Unternehmen in einem Wert zusammenfasst, macht entsprechend „einen deutlichen Sprung“ von 111 auf 118 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Jahresbeginn 2011. Und zwar dank einer robusten Binnenkonjunktur, die getragen wird von einer „ausgeprägten Kauflaune“. Der Handel ist entsprechend Haupt-gewinner der derzeitigen Konjunkturentwicklung. Hier halten 40 Prozent der Betriebe ihre Situation für gut, ein satter Zuwachs von neun Punkten im Vergleich zum Herbst 2015. Zwei Fünftel der Kaufleute berichten von steigenden Umsätzen, wobei der Zuwachs vor allem im Internethandel erzielt werde, so Hüffer.

Auch der Industrie geht es laut Ruhrlagebericht insgesamt nicht schlecht. „Sie sieht sich mit zahlreichen Turbulenzen im internationalen Geschäft konfrontiert, zeigt sich jedoch bemerkenswert widerstandsfähig“, resümiert der IHK-Präsident. Insgesamt ist hier die Stimmungslage laut Umfrage der Ruhr-IHKs uneinheitlich.
Schwierig ist die Situation in der Metallindustrie, während sich das Baugewerbe und die Elektrotechnik überdurchschnittlich positiv äußern. Vom Auslandsgeschäft erwarten die In-dustrie- und Handelskammern keine größeren Impulse für die Industrie. Schwachpunkt der Konjunktur bleiben die Inlandsinvestitionen.
„Leichte Verbesserungen, aber keine durchschlagende Trendwende“, fasste Hüffer die Ergeb-nisse zu dieser Frage zusammen. 950 Unternehmen mit zusammen 137.000 Beschäftigten haben die fünf Ruhr-IHKs Dortmund, Duisburg, Essen, Mittleres Ruhrgebiet und Nord Westfalen (Emscher-Lippe-Region) nach Lage und Aussichten gefragt. Aber auch nach Konjunktur-Risiken.
„Größte Sorge bereitet offenbar, dass die Konjunktur allzu einseitig nur vom Konsum getragen wird“, berichtete Hüffer. Mehr als die Hälfte der Unternehmen bewertet daher einen Ein-bruch der Inlandsnachfrage als größtes Risiko für ihre Geschäftsentwicklung. Auf dem zwei-ten Platz folgen mit geringem Abstand (49 Prozent) die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen – das Szenario der Risiken reicht von der Bewältigung der Flüchtlingskrise über die Sicherung des Euro bis hin zur Steuer- und Arbeitsmarktpolitik. „In der Umfrage sind die Zweifel gleichsam mit Händen zu greifen, ob die Politik die vielen Herausforderungen wird bewältigen können, die sich in den letzten Monaten aufgetürmt haben“, so Hüffer.

Auffällig ist für den IHK-Präsidenten der kontinuierliche Anstieg der Arbeitskosten, der von den Unternehmen offenbar als steigende Belastung im Wettbewerb wahrgenommen werde. Zwar haben die Unternehmen nach der IHK-Umfrage ihre Einstellungsbereitschaft leicht nach oben angepasst. Jedoch sei das Jobwachstum im Ruhrgebiet bei weitem nicht so dynamisch wie in anderen Landesteilen. „Angesichts des insgesamt günstigen konjunkturellen Umfelds ist das zu wenig“, heißt es im Ruhrlagebericht. Und weiter: „Wenn jetzt nicht deutlich mehr Arbeitsplätze entstehen, wann dann?“ Nach wie vor fehle der Durchbruch im Strukturwandel, der über die gesamte Breite der Wirtschaft einen Schub auf dem Arbeitsmarkt auslöse.