Dorsten-Aktuell


07.02.2017
 

IHK: Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs

Die Unternehmen im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region zeigen sich weiter wenig beeindruckt von möglichen Konjunkturrisiken. Nach einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen bleibt das Wirtschaftsklima in der Region stabil.

„Die Unternehmen sind zuversichtlich, die regionale Wirtschaft wird weiter moderat wachsen“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, der den IHK-Konjunkturbericht am 25. Januar in Münster präsentierte.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der in einem Wert die aktuelle Geschäftslage und die Erwartung der befragten Unternehmen für die nächsten Monate ausdrückt, ist wieder auf 126 Punkte gestiegen. Schulte-Uebbing: „Nach einem kleinen Durchhänger im Herbst steht er damit wieder auf demselben Stand wie vor einem Jahr“ - und deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von 110 Punkten.

Geschäftslage: 95 Prozent der Betriebe beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage zum Jahreswechsel mit gut (43,5 Prozent) oder zumindest befriedigend (51 Prozent). „Besonders zufrieden sind kleinere Betriebe und die Bauwirtschaft“, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer den Zusammenhang zur starken Binnennachfrage. Bis auf den Handel gebe es allerdings leichte Abstriche in allen größeren Wirtschaftsbereichen, da in der zweiten Jahreshälfte 2016 die konjunkturelle Dynamik etwas an Tempo verloren habe. „Das spiegelt sich auch in den gesamtwirtschaftlichen Daten, die auf ein insgesamt eher schwächeres viertes Quartal 2016 hindeuten“, so Schulte-Uebbing. Auch die Industriedaten für Nord-Westfalen legten diesen Schluss nahe: „In der Endabrechnung dürften Umsatz und Export der Industrie etwa zwei Prozent unter den Vorjahreswerten liegen.“

Geschäftsaussichten: Für die nächsten Monate sind die Unternehmen durchweg zuversichtlich: 22 Prozent erwarten eine bessere konjunkturelle Entwicklung, nur acht Prozent, dass es weniger gut laufen wird. Gut 70 Prozent rechnen mit einem gleich bleibenden Konjunkturverlauf. „Dabei sind die Unternehmen aus dem Münsterland generell optimistischer als die aus der Emscher-Lippe-Region“, betont Schulte-Uebbing. Allerdings gebe es auch in der Emscher-Lippe-Region einen markanten Stimmungsumschwung zum Besseren. Dass die Erwartungen der Dienstleistungsbranchen gedämpfter ausfallen als der Durchschnitt aller Wirtschaftsbereiche, liegt nach Meinung des IHK-Hauptgeschäftsführers vor allem an den Kreditinstituten, die nach wie vor großen Verwerfungen ausgesetzt seien.

Außenwirtschaft: Trotz der leicht rückläufigen Auslandsumsätze im vergangenen Jahr geben sich die Unternehmen zuversichtlich, 2017 wieder bessere Ergebnisse auf den internationalen Märkten zu erzielen. Ein gutes Viertel erwartet steigende Exportumsätze, nur jedes achte Unternehmen rechnet mit geringeren Absatzzahlen. „Das passt zu den wieder besseren Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft insgesamt“, erläutert Schulte-Uebbing.

Konjunkturrisiken: Bei den Konjunkturrisiken rangiert die Auslandsnachfrage entsprechend nur auf dem sechsten von sieben Plätzen. „Dennoch“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer, „liegen einige der größten Konjunkturrisiken im internationalen Umfeld.“ Das zeige die Einschätzung der Industrieunternehmen. Zu den Risiken zählten mögliche Veränderungen in der Handelspolitik der USA und die Auswirkungen des Brexit genauso wie die instabile Lage im Nahen Osten, die politische Entwicklung in der Türkei, die Handelsbeziehungen zu Russland und die Transformationspolitik in China.

Konjunkturrisiko Nummer 1 insgesamt ist aber weiterhin der Fachkräftemangel. Inzwischen hält die Hälfte der Unternehmen es für das größte Risiko, nicht liefern oder produzieren zu können, weil ihnen qualifizierte Arbeitskräfte fehlen. Erstmals sehen überdurchschnittlich viele Großbetriebe den Fachkräftemangel als eines ihrer Hauptprobleme an. „Die größten Schwierigkeiten, Nachwuchs für sich zu rekrutieren, haben aber offensichtlich die kleineren Unternehmen“, betont Schulte-Uebbing. Da sei es besonders tragisch, auf der einen Seite von der Binnenkonjunktur stark zu profitieren, aber auf der anderen Seite nicht das nötige Personal zu finden. Besonders Unternehmen in den Kreisen Coesfeld, Borken und Steinfurt machen sich Sorgen, aber auch im Emscher-Lippe Raum verstärkt sich das Problem.

Investitionen im Inland: Die Investitionsneigung zieht leicht an, ohne aber deutlich an Dynamik zu gewinnen. 30 Prozent der Unternehmen planen steigende, 17 Prozent geringere Ausgaben für Anlagen und Bauten. Angesichts der aktuellen Ergebnisse rechnet Schulte-Uebbing nicht damit, „dass die Investitionen zu einer tragenden Säule der Konjunktur werden“. Sie dürften zwar zunehmen, „aber doch nur vergleichsweise verhalten“. Für eine hochentwickelte Volkswirtschaft mit alterndem Kapitalstock reiche das nicht. Besonders zurückhaltend ist die Industrie. „Mit dem langgezogenen Aufschwung und der steigenden Kapazitätsauslastung wäre es eigentlich an der Zeit, dass die Unternehmensinvestitionen deutlich zulegen“, zeigt sich Schulte-Uebbing besorgt.

Beschäftigung: Aufgrund des anhaltend guten konjunkturellen Umfelds wollen nach wie vor mehr Unternehmen Personal einstellen als Stellen abbauen, vor allem im Münsterland (24 zu 17 Prozent). „Allerdings ist zu erkennen, dass die Einstellungsbereitschaft zurückgeht“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Das könne einerseits an einem leergeräumten Arbeitsmarkt liegen, andererseits aber auch an einer vorsichtigeren Personalpolitik, die auf die steigenden Risiken reagiere. Somit bestätige die Umfrage die Einschätzung der Arbeitsagenturen, die für 2017 ein leicht geringeres Beschäftigungsplus in Nord-Westfalen prognostizierten. „Aber mit rund 12.000 neuen Jobs, die erwartet werden, könnte das immer noch mehr als stattlich ausfallen“, sagt Schulte-Uebbing.

Quelle: IHK Nordwestfalen

Im Bild: IHK-Nordwestfalen Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing.