Dorsten-Aktuell


15.07.2017
 

Bienen – Die emsigen Helfer des Menschen

Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“. Dieses Zitat über ein Insekt, das wir oft schlicht nur als „Honiglieferant“ betrachten, wird Albert Einstein zugeschrieben.

Die Funktion der Bienen auf unserem Planeten ist aber auf gar keinen Fall, für höher entwickelte Säugetiere Naschwerk zu produzieren.

Statt dessen übernehmen diese fleißigen Insekten die Bestäubung von Abermillionen Blüten: an Obstbäumen, in Gemüsegärten, auf Wiesen, Feldern und in Wäldern.

 

Sie navigieren nach einer inneren Landkarte, führen dabei detaillierte Sonnenstandberechnungen durch, können Hunderte von Düften unterscheiden und leisten Großartiges für unser Ökosystem.

Die “Einsteinsche Bienenformel“ lautet demnach schlicht und ergreifend:

Ohne Bienen keine Bestäubung, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen“.

Und die Gefahr ist real, denn seit Längerem beobachtet man ein Bienensterben.

 

Herkunft

Ursprünglich stammen die Bienen aus Südostasien. Seit sie vom Menschen als Nutztiere gehalten werden, haben sie sich über die ganze Welt verbreitet. Heute leben weltweit in etwa 52 Millionen Bienenstöcken rund drei Billionen Bienen!

Bienen gehören übrigens zu den ältesten Lebewesen überhaupt: Sie leben vermutlich schon seit 100 Millionen Jahren auf der Erde!

 

Perfekte Baumeister

Sie sind hervorragende Baumeisterinnen und fertigen sich ihr Zuhause selbst:

Sie produzieren senkrecht hängende Wachsplatten - die sogenannten Waben.
Dort bringen sie sechseckige Zellen an, in denen sich die Larven entwickeln und Vorräte aufbewahrt werden.
Die Waben eines Bienenstocks sind ein kleines Wunderwerk: Die sechseckige Form der Zellen passt perfekt ineinander. So geht kein Millimeter Platz verloren. Eine Arbeitswabe hat einen Durchmesser von 5,1 bis 5,4 mm.

 

Lebenserwartung

Die Bienenkönigin wird drei bis fünf Jahre alt. Eine Arbeiterin wird im Sommer nur sechs Wochen alt, schlüpft sie im Herbst und kann überwintern, lebt sie bis zu neun Monate. Drohnen werden nur wenige Wochen alt.

 

Sechs Berufe in 30 Tagen

Um diese Aufgabe, die den Fortbestand allen Lebens sichert, zuverlässig durchführen zu können, haben sich die Bienen so perfekt und harmonisch organisiert, wie man es unter Menschen noch nirgends vorgefunden hat:

Das Faszinierende an den Bienen ist ihr Wesen selbst“, erklärt der langjährige Imker.

Faszinierend deshalb, weil alles 100%ig funktioniert. Die Biene kommt auf die Welt und sie weiß vom ersten Tag an, was zu tun ist. Die Aufgabe ist in ihr drin.“

 

Dabei geht es längst nicht nur um das Bestäuben von Blüten - im Laufe Ihres kurzen Lebens (Im Durchschnitt 30 bis 70 Tage) führt die Biene sechs verschiedene Berufe aus:

 

·         Nach dem Schlüpfen reinigt sie während ihrer ersten vier Lebenstage als Putzbiene die Wabenzellen und den Stock, denn in ungeputzte Waben legt die Königin keine neuen Eier und das sind immerhin 2000 bis 2500 Eier pro Tag.

·         Vom 5. bis zum 11. Tag ist sie Amme und füttert die Larven.

·         Danach ist sie drei Tage lang als Lagerarbeiterin tätig: Sie verstaut den Nektar in den Zellen und belüftet den Bienenstock, indem sie ganz schnell mit ihren Flügeln schlägt.

·         Am 14. Lebenstag schließlich wird sie zur Baubiene und konstruiert Wabenzellen.

·         Am 18. Tag wechselt die Biene zu den Wehrbienen und hält am Eingang zum Stock Eindringlinge wie Wespen, Hornissen und Schmetterlinge fern.

·         Dann erst, an ihrem 22. Lebenstag wird die Biene zur Sammlerin. Sie fliegt von Blüte zu Blüte, um Nektar, Pollen und Propolis (eine harzartige Masse mit antibiotischer,antiviraler und antimykotischer Wirkung ) zu ernten, die Nahrung für den Bienenstock.

 

Freund und Feind

Wespen, Hornissen und Vögel sind die natürlichen Feinde der Bienen.

Mit ihrem Stachel und ihrem Gift können sich Bienen jedoch gut zur Wehr setzen.

Allerdings stechen sie nur, wenn ihre Nahrung oder der Bienenstock verteidigt werden muss oder sie sich selbst bedroht fühlen.

Denn das Stechen endet für die Biene meist tödlich: Ihr Stachel bleibt im Körper des Angreifers stecken und reißt einen Teil ihres Hinterleibs heraus.

Risiko

Die weitaus größere Bedrohung für Bienen ist allerdings die „Varroa-Krankheit“.

Ende der 1970er Jahre zu Forschungszwecken aus Asien eingeschleppt, wird sie von winzig kleinen Milben ausgelöst, die aus den Larven der Bienen und den Bienen selbst den Körpersaft heraussaugen. Die Bienen werden dadurch immer schwächer und schließlich kann das ganze Volk sterben.

In Deutschland sind Anfang 2003 bereits 10.000 Völker eingegangen, meist durch den Befall der Varroa-Milbe.

Diese Milbe legt ihre Eier bereits in den heranreifenden Nachwuchs der Bienen hinein, so dass diese oft schon behindert oder verstümmelt zur Welt kommen. Auch gesunde Bienen werden durch die Milbe geschädigt, weil diese die Bienen regelrecht aussaugt.


Befragt zu der Ursache, verweisen verschiedene Experten auf die vom Menschen verursachte Veränderung der Landschaft: Hecken wurden beseitigt; Wiesen werden überdüngt und oft zu früh gemäht; der häufig angebaute Raps blüht nur kurz – dies alles führt dazu, dass das Nahrungsangebot für die Bienen, vor allem der Blütenpollen für den Nachwuchs, zurückgehe. Der Parasit profitiere dann davon, dass die Bienen schlecht ernährt sind. Schließlich könnten auch Agrargifte wie z. B. Insektizide die Bienen in ihrer Gesundheit beeinträchtigen und anfällig machen.

Eines ist klar: Gäbe es die Biene nicht, wäre Schmalhans Küchenmeister.

Man kann etwas gegen das Aussterben tun. Beispielsweise einheimische Blumen im Garten pflanzen, keine Insektizide verwenden oder Naturschutzgebiete einrichten.

Wenn wir verhindern wollen, dass die “Einsteinsche Bienenformel“ eines Tages tatsächlich greift und unsere Existenz bedroht, sollten wir alle etwas dafür tun, dass wir im Einklang mit der Natur und mit dem nötigen Respekt vor allen Lebensformen, die Bienen als eigenständige Wesen respektieren.