Dorsten-Aktuell


18.07.2017
 

Die rote Waldameise

Baumeister, Viehzüchter, Gesundheitspolizei

Ihr Steckbrief ist einzigartig:

Eine Million von ihnen wiegen zusammen nur etwa sieben Kilogramm.

Eine Arbeiterin kann etwa das 40-fache ihres Eigengewichtes tragen und ihr ganzes Volk an einem Tag bis zu 100.000 Beutetiere verzehren.

Die Rede ist von den kleinen Insekten mit sechs Beinen, deren Hinterleib und Brust nur durch einen dünnen Stiel verbunden ist und die von morgens bis abends ihre präzis markierten Straßen auf der Suche nach Futter und Baumaterial entlang spazieren.

Unsere rote Waldameise!

 

In Deutschland gibt es etwa noch dreizehn Hügelbauende Waldameisenarten, wobei die kleine und rote Waldameise zu den bekanntesten ihrer Art zählt.

Waldameisen erfüllen wichtige Aufgaben im Ökosystem Wald, denn sie verbreiten Samen, dienen vielen Tieren als Nahrungsquelle, erbeuten hunderte verschiedener Raupen und Larven (darunter auch Forstschädlinge) und verbessern durch ihre Bautätigkeit den Boden. Außerdem verbreiten sie verschiedene Pflanzensamen, beseitigen Kadaver und verhindern Massenvermehrungen von allen anderen Insekten.

 

Als wild lebende Tierart genießen alle Ameisen einen so genannten Mindestschutz. Seit Februar 2005 gehören die hügelbauenden Waldameisen in Deutschland wieder zu den besonders geschützten Tierarten und sind in der Roten Liste gefährdeter Arten geführt.

Die Gründe dafür sind vielfältig, seien es Baumaßnahmen aller Art durch welche die Nester zerstört werden, der Einsatz von Insektiziden, bis hin zur mutwilligen Zerstörung oder Beschädigung der Nester durch Menschen.

 

Kunstwerk und soziales Gefüge

Als Einzeltiere sind sie nicht überlebensfähig, deshalb bilden Ameisen Staaten.

Arbeiterinnen, Weibchen respektive Königinnen und Männchen, sind die drei unterscheidbaren Formen, in denen sie auftreten und in deren Mittelpunkt stets die Königin steht.

Sie ist größer als die Arbeiterinnen. Die Mehrheit im Ameisenstaat bilden die flügellosen Arbeiterinnen. Außer dem Eierlegen verrichten sie alle anfallenden Arbeiten wie Nestbau, Nahrungsbeschaffung, das Füttern der Königinnen und der Brut sowie Verteidigung des gesamten Volkes.

Baulich gesehen, ist das Nest ein wirkliches Kunstwerk und wird oft um einen Baumstumpf gebaut. Der für uns sichtbare Nadelhaufen ist nur der oberirdische Teil des Nestes.

Der Großteil ist unsichtbar und liegt unterhalb der Erde.

An besonnten Stellen sind die Nester meist niedrig und flach, um nicht zu stark aufgeheizt zu werden. An schattigeren Stellen werden sie größer und steiler gebaut.

Ameisenhaufen, wie der im Foto abgebildete, benötigen bis zu 30 Jahren, um solch eine Höhe zu erreichen!

 

Feinde

Die größten Fressfeinde der Ameisen sind die Vögel, denn als eine der wenigen Nahrungsquellen im Winter sind die Ameisennester für sie überlebenswichtig.

Jedoch graben sie bei ihrer Futtersuche tiefe Gänge in die Hügel.

Ist die Kuppel des Nestes dann stark durchlöchert, kann Wasser in die Öffnungen eindringen und ein sich ständig wiederholender Wechsel zwischen Tau- und Gefrierzyklen zu indirekten Schäden führen.

Allerdings werden Nester von Vögeln und Säugetieren nicht nur als Nahrungsquelle sondern auch zur Schädlingsbekämpfung aufgesucht. Im Sommer lassen sie sich von den Ameisen mit Ameisensäure bespritzen und vertreiben damit lästiges Ungeziefer aus ihrem Fell bzw. Gefieder.

 

Schutz und Pflanzenvielfalt für den Wald

Die roten Waldameisen ernähren sich zur Hauptsache von Honigtau, Blütennektar und Insekten. Der größte Teil ihrer fleischlichen Kost besteht aus lebenden Tieren wie anderen Insekten, Spinnen und Würmern. Sie nehmen aber auch Aas als Nahrung auf, weshalb sie oft als "Gesundheitspolizei des Waldes" bezeichnet werden.

Die Samen vieler Pflanzen besitzen ein kleines nahrhaftes Anhängsel, das Elaiosom,welches von Ameisen gerne gefressen wird. Die Tiere beißen das Anhängsel ab und verlieren den Samen auf dem Weg zum Nest oder lassen ihn liegen. So werden die Samen verbreitet und es entsteht oft eine artenreiche Begrünung der Wälder, die wiederum eine Nahrungsbereicherung für das Wild darstellt.

Zu ihnen zählen unter anderem das Waldveilchen, der Lerchensporn, Salomonssiegel, die Waldanemone oder das Perlgras.

Hieraus ergibt sich eine einfache Formel: Wälder ohne Ameisen sind ohne Pflanzenvielfalt.

 

Gefahren und Schutzmaßnahmen

Naturkatastrophen wie Murgänge (ein schnell fließender Strom aus Schlamm und Gesteinsmaterial, die Red. ), Erdrutsche, Waldbrände und Sturmschäden dezimieren zwar den Bestand der Ameisennester, in der Regel aber nur kurzfristig.

In erster Linie gefährdet jedoch der Mensch durch Straßenbau und andere Nutzungen die Lebensräume der Waldameisen.

Unachtsamkeit bei Forstarbeiten oder das Stören und Beschädigen der Nestkuppe aus Neugierde führt zu einer starken Beeinträchtigung des Klimahaushaltes in einem Ameisenbau.

Dadurch kann das Ameisenvolk nicht mehr wachsen und sein Lebensraum so stark verändert, dass er sich für die Waldameisen nicht mehr eignet.

Eine naturgemäße Waldbewirtschaftung erhält diesen ökologisch wichtigen Lebensraum mit seinen zahlreichen Tier- und Pflanzenarten - darunter auch seltene und gefährdete Arten wie die Waldameise!