Dorsten-Aktuell


28.07.2017
 

„Der Wald ist das höchste Gut“

Über die Vielseitigkeit von Forst und Förster

Ein Förster muss viele Begabungen, ein vielseitiges Interesse und dabei das große Ganze im Blick haben. In seinem Revier tritt er als Tier- und Naturschützer, als Kaufmann und Holzverkäufer sowie als Polizei des Waldes auf. Er muss Mathematik, Biologie, Zoologie, Botanik, Vermessungswesen, Forstrecht und EDV beherrschen. Letztendlich ist er ein kompetenter Manager für das komplexe Ökosystem Wald. Bernhard Lippert ist so ein „Manager“. Fast 50 Jahre war er Förster. Im Interview verrät er „meinDorsten.de“ Aspekte eines traditionellen Berufs und den Spagat zwischen Naturschutz und Tourismus.

„meinDorsten.de“:
Herr Lippert, haben Sie eigentlich einen Dackel?
Bernhard Lippert:
Nein, aber einen deutschen Wachtelhund. Warum?

„meinDorsten.de“:
Na, das ist doch das klassische Bild, das man von einem Förster hat: Lodenmantel, Flinte, Fernglas - und eben einen Dackel.
Bernhard Lippert:
Ja, aber das Bild ist uralt und lange überholt.

„meinDorsten.de“:
Also gibt es keinen „Förster vom Silberwald“ mehr?
Bernhard Lippert:
Nein, die Zeiten sind lange vorbei. Auch die Sendung „Forsthaus Falkenau“: Das ist im Grunde berufsfremd, wie es dargestellt wird. Das hat mit dem Forstberuf von heute nichts mehr zu tun.

„meinDorsten.de“:
Welche Aufgaben hat denn der Förster von heute?
Bernhard Lippert:
Da muss man unterscheiden, denn die Verwendung der Förster ist ja geteilt. Wir haben natürlich auch reine Verwaltungstätigkeiten. So kann man zum Beispiel der Forstdirektion als Sachbearbeiter oder einem Forstamt als Büroleiter zugeteilt werden. Und dann gibt es natürlich den reinen Revierdienst. Das ist das, worauf natürlich jeder von uns hinwirkt: Auf die Führung eines Forstreviers.

„meinDorsten.de“:
Welche Ausrüstung trägt der Förster des 21. Jahrhunderts im Wald bei sich?
Bernhard Lippert:
Also zum Einen ist das Tragen von Dienstkleidung mit Abzeichen sinnvoll. Damit die Leute eben auch gleich erkennen können, dass sie es mit einer sogenannten Amtsperson zu tun haben. Es ist auch immer ratsam, seinen Dienstausweis mitzuführen. Der Witterung entsprechende Kleidung und Schuhwerk natürlich, ein Helm gehört bei uns jetzt auch zum Standard dazu, ebenso natürlich wie das Handy. Wir sind ja da draußen Einzelkämpfer und müssen natürlich auch die Möglichkeit haben, im Falle eines Falles Hilfe zu rufen. Im Auto habe ich dann noch eine rote Warnweste. Wenn ich zu meinen Männern in den Holzhieb gehe, damit man mich eben schon von Weitem erkennen kann.

„meinDorsten.de“:
Sie müssen in ihrer Tätigkeit vor allem zwei Aspekte unter einen Hut bekommen: Tourismus und Naturschutz. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen diesen beiden Polen?
Bernhard Lippert:
Zum Beispiel durch Ausweisung von bestimmten Waldgebieten, in denen die Waldbewirtschaftung ruht oder stark eingeschränkt ist. Zum Beispiel die Ausweisung von Bannwäldern. (Bannwälder sind geschützte Waldgebiete aus Gründen des Natur- und Umweltschutzes, d. Red.) Diese Bannwälder werden sich selbst, also der Natur überlassen. Und da kann es natürlich schon vorkommen, dass Bäume entsprechend einfach umfallen. Der Waldbesucher muss in diesem Fall damit rechnen, wenn er einen solchen Wald betritt, dass das auf eigenes Risiko geschieht.

„meinDorsten.de“:
Warum gibt es immer weniger Förster?
Bernhard Lippert:
Unter anderem durch die Sparzwänge, die die Politik mit sich bringt. Wir sind alle im öffentlichen Dienst und der muss sparen. Die Aufgabenbereiche und die Arbeit nimmt immer mehr zu und die Besoldung bleibt natürlich die gleiche.

„meinDorsten.de“:
Und welche Voraussetzungen muss ein Schulabgänger heute mitbringen, um diesen Beruf erlernen zu können?
Bernhard Lippert:
Abitur. Es genügt in der Regel auch die Fachhochschulreife.

„meinDorsten.de“:
Wie lange dauert dann diese Ausbildung?
Bernhard Lippert:
Die Ausbildung hat sich geändert auf das englisch-amerikanische System: Bachelor und Master. Vor ein paar Jahren war es noch der Diplom-Ingenieur FH mit Diplomarbeit. Heute ist es der „Bachelor of Science“. Das dauert in der Regel acht Semester.

„meinDorsten.de“:
1980 tauchte erstmals der Begriff „Waldsterben“ auf. Wie steht es heute, nach knapp 40 Jahren, um den deutschen Wald?
Bernhard Lippert:
Also der Zustand des Waldes hat sich, nach meinem Verständnis, nicht gebessert, aber auch auf keinen Fall verschlechtert.

„meinDorsten.de“:
Kann der Einzelne etwas tun, damit es so bleibt oder es sich zu mindestens nicht verschlechtert?
Bernhard Lippert:
Ja sicher! Kleinvieh macht auch Mist. Zum Beispiel den Fahrverkehr auf das notwendige Maß reduzieren. Den Wald schützen heißt für mich auch: Was ich mit in den Wald nehme, das nehme ich auch wieder mit nach Hause. Also: Keinen Müll dort lassen, mich als Bürger im Wald ordentlich benehmen, keine gesperrten Waldbereiche betreten, keine Kulturpflanzen zerstören, keine geschützten Pflanzen entnehmen. Das ist ein Gesamtpaket, was man da anführen muss. Der Wald ist das höchste Gut des Alt-Germanen und da ist jeder angehalten, sich entsprechend einzubringen.


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