Dorsten-Aktuell


14.08.2017
 

„Fährmann, setz über“

An der Römer-Lippe-Route beantwortet niemand mehr diesen Ruf. Wenngleich auch der Beruf des Fährmanns uralt ist, wurden viele Fährleute in manchen Gegenden schon Ende der 1920er Jahre durch einen Brückenbau ersetzt.
Schon die alten Griechen erzählten von „Charon“, jenem greisen Fährmann, welcher die Schatten der beerdigten Toten über die Flüsse der Unterwelt setzte. Hierfür erhielt er als Lohn ein Geldstück, den Obolus, das man dem Toten zuvor in den Mund gesteckt hatte.
Als einziger Radfernweg bietet heute die Römer-Lippe-Route die Möglichkeit, an vier Stellen den Fluss auf Fähren zu überqueren. Und als Obolus muss der Radwanderer oder Fußgänger lediglich seine Muskelkraft einsetzen, um ans andere Lippeufer übersetzen zu können.

Der Name "LUPIA" ist lateinischen Ursprungs. Diesen gaben bereits die Römer dem Fluss „Lippe“. Am Schloss Oberwerries in Hamm, welche die Hauptroute im Bereich zwischen Lippeauen-Schleife und Wasserschloss-Schleife ist, ist sie normalerweise (je nach Witterung) von April bis November nutzbar. Seit vier Jahren ist sie im Einsatz und kann von Wanderern und Radfahrern zum Übersetzen über die Lippe genutzt werden. Sie bietet damit eine attraktive Verbindung zwischen der Stadt Hamm (südliche Lippeaue) und dem Kreis Warendorf (nördliche Lippeaue). Die Uhrzeiten des Fährbetriebes können jahreszeitlich bedingt variieren. In der Navigation auf der linken Uferseite können unter dem Punkt "Aktuelle Öffnungszeiten" diese eingesehen werden. Über Nacht wird sie abgeschlossen und im Falle von Hochwasser sogar aus der Lippe heraus genommen.

An der Abzweig zur Römerspuren-Schleife bei Dorsten ist die Lippefähre "BALDUR", in Haltern am See-Flaesheim Lippefähre "MAIFISCH" und an der Verbindung zwischen Hauptroute und Lippemündungs-Schleife vor Wesel die Lippefähre "QUERTREIBER" jeweils von April bis Ende Oktober oder Anfang November im Einsatz. Letztere wird nicht nur von Personen aus den benachbarten Kommunen frequentiert, sondern auch von Fahrradfahrern aus dem Ruhrgebiet wie auch aus dem benachbarten Ausland. Nutzer sind Alltagsradfahrer auf dem Weg zur bzw. von der Arbeit sowie Freizeitradfahrer in allen Altersgruppen. Die Nutzung aller Lippefähren stellt für den Alltagsradfahrer eine erhebliche Verkürzung seiner Wegeverbindung dar und führt zur Zeitersparnis. Es ist nicht nur ein besonderes Erlebnis. Dieses kleine Alltagsabenteuer bewahrt Geschichte und gleichwohl ein Stück dörflicher Romantik.